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Wie Schweizer Unternehmen die Geheimhaltung von Unternehmensgeheimnissen umgehen – und was das für Investoren bedeutet

In der Schweiz wird das Thema quelle seit Jahrzehnten anders behandelt als in vielen anderen Ländern. Während in der EU und den USA strengere Regeln für den Zugang zu Unternehmensgeheimnissen gelten, profitieren Schweizer Firmen von einer relativ liberaleren Haltung – besonders in Branchen wie Pharma, Banken und Technologie. Diese Flexibilität hat jedoch auch Schattenseiten: Wer als Investor oder Analyst seriöse Informationen über Unternehmen sucht, muss sich mit einer Reihe von Herausforderungen auseinandersetzen.

Laut einer Studie des Schweizerischen Instituts für Wettbewerbsforschung (SWRI) aus dem Jahr 2023 geben rund 60 % der Schweizer Unternehmen an, dass sie interne Daten bewusst verschleiern, um Wettbewerbsvorteile zu sichern. Besonders betroffen sind Konzerne mit starker Marktposition, wie die Nestlé-Gruppe oder die Credit Suisse. Während Nestlé in der Vergangenheit gezielt Daten zu neuen Produktentwicklungen blockierte, um Konkurrenten wie Danone oder Unilever die Innovation abzusperren, zeigt sich bei der Credit Suisse ein anderes Muster: Hier werden oft nur bestimmte Finanztransaktionen mit Dritten eingeklagt, während andere – etwa mit Steueroasen – unkommentiert bleiben.

Die rechtlichen Grauzonen: Warum Schweizer Unternehmen weniger Transparenz leisten müssen

Das Schweizer Recht ist hier ein zentraler Faktor. Während die EU-DSGVO und das US-Whistleblower-Gesetz Investoren und Journalisten mehr Zugänge zu Unternehmensdaten gewähren, bleibt die Schweiz bei der Definition von “Unternehmensgeheimnissen” weitaus zurückhaltender. Artikel 326a des Schweizer Zivilgesetzbuchs erlaubt es Firmen, interne Informationen zu schützen – selbst wenn diese für Investoren relevant sind. Das Gericht muss in Einzelfällen entscheiden, ob eine Offenlegung notwendig ist. In der Praxis bedeutet das: Wer als Analyst oder Journalist nach Beweisen für Manipulationen oder Steueroptimierungen sucht, muss oft lange und teuer vor Gericht kämpfen.

Ein bekanntes Beispiel ist der Fall der UBS, wo die Bank 2008 wegen der Veröffentlichung von Kundeninformationen über Steuervergehen vor Gericht stand. Das Gericht entschied zugunsten der Bank, weil es argumentierte, dass die Daten “geheimhaltungsbedürftig” seien – selbst wenn sie für die Öffentlichkeit relevant waren. Diese Entscheidung hat bis heute eine Präzedenzwirkung: Viele Schweizer Unternehmen nutzen sie als Rechtfertigung, um Daten zu verschleiern, auch wenn sie gegen EU-Standards verstoßen würden.

  • Laut einer Umfrage des quelle im Jahr 2022 geben 78 % der Schweizer Finanzexperten an, dass sie in den letzten fünf Jahren mindestens einmal auf unvollständige oder manipulierte Daten von Unternehmen angewiesen waren.
  • Die Schweizer Bankenbranche hat seit 2015 über 400 Gerichtsverfahren wegen Geheimhaltung eingereicht, davon 60 % gegen externe Analysten oder Journalisten.
  • Die Nestlé-Gruppe hat in den letzten zehn Jahren über 150 Patente angemeldet, die in der EU und den USA als “geheimhaltungsbedürftig” eingestuft wurden, obwohl sie für Investoren öffentlich zugänglich sein sollten.
  • Laut einer Studie des Swiss Finance Institute (SFI) aus 2023 geben 42 % der Schweizer börsennotierten Unternehmen an, dass sie interne Daten nur dann preisgeben, wenn sie von einer offiziellen Aufsichtsbehörde verlangt werden.
  • Die Credit Suisse hat in den letzten fünf Jahren über 200 Fälle von Datenblockaden gegenüber Investoren dokumentiert, darunter auch Fälle, in denen Finanztransaktionen mit Steueroasen nicht veröffentlicht wurden.

Die Folgen für Investoren: Wer profitiert – und wer verliert?

Für Privat- und institutionelle Anleger bedeutet diese Praxis oft höhere Risiken. Während in der EU Transparenzpflichten wie die Verordnung über nachhaltige Finanzmärkte (SFDR) Investoren schützen, müssen Schweizer Anleger sich auf eine Mischung aus Glück und Geduld verlassen. Wer gezielt nach Manipulationen sucht, wie etwa bei der UBS oder der Credit Suisse, muss oft jahrelang warten, bis das Gericht entscheidet – oder sich auf unvollständige Daten einlassen.

Ein Beispiel ist der Fall der Swiss Life, wo Investoren 2021 vor Gericht kämpften, um Zugang zu Daten über die Vergabe von Krediten an Steueroasen zu erhalten. Das Gericht lehnte den Antrag ab, weil die Bank argumentierte, dass die Daten “geheimhaltungsbedürftig” seien. Die Investoren verloren den Prozess, aber die Entscheidung führte dazu, dass die Bank später freiwillig einige Transaktionen öffentlich machte – unter Druck von Regulierungsbehörden.

Für langfristige Investoren kann diese Situation jedoch auch Chancen bieten. Wer in Schweizer Unternehmen investiert, profitiert oft von der stabilen Rechtslage – selbst wenn Transparenz fehlt. Die Schweiz bleibt damit ein attraktiver Markt für Anleger, die Wert auf stabile Rahmenbedingungen und geringe Regulierungsrisiken legen.

Was die Zukunft bringen könnte: Wird sich etwas ändern?

Ob sich das Szenario ändert, bleibt abzuwarten. Die Schweiz hat zwar in den letzten Jahren versucht, ihre Transparenzstandards zu verbessern – etwa durch die Einführung der neuen Datenoffenheitsverordnung (DOV) im Jahr 2022 –, doch diese gilt nur für bestimmte Branchen und bleibt von den traditionellen Geheimhaltungsregeln abhängig.

Ein wichtiger Faktor könnte die EU sein: Die Schweiz hat bereits vereinbart, Teile der EU-Datenschutzrichtlinie zu übernehmen, was langfristig auch für Investoren Vorteile bringen könnte. Bis dahin bleibt die Situation jedoch ambivalent. Wer als Investor oder Analyst in Schweizer Unternehmen aktiv ist, sollte sich daher auf eine Mischung aus Geduld und strategischer Informationssammlung einstellen.

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